24H – Muss man immer erster sein?

Hallo zusammen,

es ist geschafft, das 24H Rennen 2016 ist beendet – Platz 7 für mich und mein Bentley Team Abt mit der Startnummer 38 aus Kempten!

Bin ich mit Platz 7 zufrieden? Und wie! Muss man immer erster sein?

Die Frage kann ich in diesem Fall mit einem klaren „Nein“ beantworten. Natürlich ist ein Sieg, oder zumindest das Podium immer der Ansporn und Final auch fast Pflicht, um als Racer happy nach Hause zu fahren, aber bei einem 24H Rennen kommen ganz viele weitere Faktoren hinzu, die einen dann am Sonntagnachmittag so richtig zufrieden machen können:
Das Rennen war aus meiner Sicht das schwierigste 24H Rennen, was ich je am Ring gefahren bin.

Übrigens mein 22. Start hier in der Eifel!

Ich durfte z.B. noch nie auf Hagelkörnern durch die Fuchsröhre fahren um dann wenige Meter vor dem Adenauer Forst endgültig zum Stillstand zu kommen – da ging nix mehr, kein Vortrieb vor lauter Hagel, alle Autos vor mir mit dem gleichen Problem,
die Rennstrecke inkl. Wiese war weiß vor lauter Hagelkörnern…!

Mir war klar, hier hilft nur ein Abbruch des Rennens – zuvor im Bereich Aremberg schon Chaos ohne Ende. Nach dem Flugplatz konnte ich die Regenwand hinter dem Schwedenkreuz sehen – hier hilft nur Tempo komplett raus, und selbst dann sind 50Km/H noch fast zu viel – die Autos sind nur so an mir vorbeigeflogen. Ich habe das Chaos rechts und links neben mir, via Innen- und Außenspiegeln „koordiniert“ und versucht bloß nicht getroffen zu werden…

Das sind also völlig andere Aufgaben für einen Rennfahrer, gehört aber auch zu einem Rennen dazu!

Nach dem Re-Start ging es zunächst nicht so richtig nach vorne, schon wieder Chaos in Form von Regen. Uns war klar, wir müssen jetzt hart arbeiten, keine Fehler machen und sauber durchfahren!
Das haben wir vier Fahrer dann auch so gemacht – plötzlich ging es kontinuierlich auf hohem Niveau nach vorne – speziell in der Nacht hatte ich richtig Freude hinter dem Steuer unseres Bentley, alles lief super und ich fühlte mich Pudelwohl – das macht schon Laune dann die anderen Werksautos zu jagen und auch zu überholen!

Auch meine Teamkollegen Guy Smith, Christopher Brück und Fabian Hamprecht waren super unterwegs und mussten immer wieder auch auf Slicks fahrend bei einsetzendem Regen draußen bleiben – das sind so Momente wo du ein Auto ganz schnell wegwerfen kannst – an unserem Auto war nicht ein Kratzer – nichts!

Das ist einer der Gründe warum ich so zufrieden war – auf hohem Niveau schnell und sauber durchfahren! Im gleichen Moment haben viele ihre Autos vernichtet – Speed ist nicht alles meine lieben Freunde…

Ein anderer Grund meiner Zufriedenheit resultiert aus der Art und Weise wie ich mein Team beim Arbeiten und Kämpfen erleben durfte – das war ganz großes Kino! Die Jungs haben die Tage zuvor nur geschuftet und kaum geschlafen – es hat keiner gejammert oder geklagt – alle haben an einem Strang gezogen – unser Auto hatte null Probleme, lief wie ein Uhrwerk und unsere Ingenieure von Bentley und Abt haben immer die richtigen Entscheidungen getroffen und uns Fahrer auch per Funk top motiviert und angespornt. Danke an Euch! Auch Christian Abt läuft dann zur Höchstform auf, winselt durch die Box oder sitzt am Kommandostand und lässt sich was Neues einfallen – herrlich!

Bringen wir es Final auf dem Punkt: Aus uns ist über die Tage während des kompletten Events eine noch bessere Mannschaft geworden! Eine tolle Erfahrung, zu sehen wie Menschen am Limit zu einer noch besseren Einheit zusammenwachsen und jeder seine Stärken einbringen kann – geil!

Jetzt wisst ihr evtl. eher, warum Christian Menzel so zufrieden mit einem 7. Platz ist! – Und vergesst bitte nicht, wie stark die Konkurrenz war und wie viele es durch Unfälle usw. nicht geschafft haben.

Auch ein Lob an die Sportwarte draußen – Jungs und Mädels, ganz lieben Dank, dass ihr bei dem Wetter über all die Tage für unsere Sicherheit gesorgt habt! Euch kann man gar nicht genug danken und loben – weiter so – auch der ADAC Nordrhein mit seiner Rennleitung, muss für die richtigen Entscheidungen mal hervorgehoben werden – das ist nicht immer einfach, aber ich hätte alles genauso entschieden. Der Abbruch war richtig, genau wie die 3 Runden hinter dem SC-Car beim Neustart als es so stark geregnet hat. Um das Thema BoP kümmere ich mich eh nicht, wobei hier die richtige „Balance“ zu finden auch nicht so einfach ist. Ich bin eher auf der sportlichen Seite aktiv und möchte die Zeit hinterm Lenkrad genießen!

Eines möchte ich aber noch den „Machern“ des 24H Rennens mit auf den Weg geben: Bitte pflegt und hegt unsere kleinen privaten Teams und Fahrer! Das sind unsere Jahrzehntelangen Darsteller und verlässlichen Säulen des 24H Rennen am Nürburgring! Der Breitensport muss auch für diese weit über 100 Teams finanzier- und machbar bleiben, die Privaten bieten auch den Zuschauern am TV Gerät tollen und unterhaltsamen Motorsport mit ganz vielen schönen Hintergrundgeschichten – es geht hier um das Allgemeinwohl des Motorsports am Ring, das hat in den letzten Jahren schon genug gelitten – setzt euch mit den richtigen Leuten zusammen – es kann nicht so schwer sein – wenn man denn will.

Noch mal ein Dankeschön an alle Menschen rund um das 24H Rennen 2016

Bis bald

CM

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